Homophobia

 

Samstag, 16.08.2008

In der Nacht zum Samstag, den 16.08.2008, haben bislang noch unbekannte Täter einen Anschlag auf das neue Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen verübt und insbesondere das Sichtfenster, in dem das Video mit den beiden sich küssenden jungen Männern zu sehen war, mit massiver Gewalt zertrümmert. Das spricht zweifellos für Hass gegen Schwule als Tatmotiv.

Das Denkmal im Berliner Tiergarten - gegenüber dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals (Denkmal für die ermordeten Juden Europas), auf das es in seiner Gestaltung Bezug nimmt - war erst Ende Mai eingeweiht worden.

"Ein heimtückischer und erbärmlicher Anschlag“

Protestkundgebung gegen Schändung des Homosexuellen-Denkmals


Bei der Kundgebung sprachen u.a. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek, die Berliner Abgeordneten Monika Thamm (CDU) und Anja Kofbinger (Grüne) sowie Ulrich Baumann von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Klaus Wowereit nannte die Tat einen „heimtückischen und erbärmlichen Anschlag“, der eindeutig einen homosexuellenfeindlichen Charakter habe. „Ein Anschlag auf dieses Mahnmal ist eindeutig gegen Homosexuelle gerichtet. Das lässt sich sagen, ohne dass man weitere polizeiliche Ermittlungen abwarten muss.“ Wowereit erinnerte daran, dass er das Denkmal erst zwei Monate zuvor gemeinsam mit Rudolf Brazda, einem homosexuellen Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, besichtigt hatte. Der Anschlag mache deutlich, dass das Denkmal neben der Erinnerung an die NS-Opfer auch aktuelle Relevanz habe für den Kampf um Gleichberechtigung und gegen die Diskriminierung Homosexueller.

Rudolf Brazda selbst hatte sich zuvor gegenüber Berlins LSVD-Geschäftsführer Alexander Zinn entsetzt geäußert: „Dieser Anschlag ist schrecklich, ekelhaft ist das! So etwas heute, nach all dem Leid und Grauen, das wir erleben mussten. Hundsgemein ist das! Doch ich muss sagen, ich hatte so etwas befürchtet. Die Menschen lernen offenbar nicht dazu, sie sind leider viel zu dumm dazu. Weil sie es nicht verstehen wollen, dass es so etwas gibt wie Homosexualität. Weil sie es nicht akzeptieren wollen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie.“

 

LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek verwies auf die verbreitete Homosexuellenfeindlichkeit.


Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme zu dem Anschlag: „Die Beschädigung des Mahnmals für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen macht mich betroffen. Eine solche Tat ist Ausdruck von großer Intoleranz und Menschenverachtung zugleich. Über die strafrechtliche Verfolgung und die mögliche Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen hinaus sind wir aufgerufen, uns auch inhaltlich mit solchen Vorgängen auseinander zu setzen und uns für mehr Toleranz und Respekt vor der Würde des Anderen in unserer Gesellschaft zu engagieren!“ Das Mahnmal war am 27. Mai von Kulturstaatsminister Bernd Neumann der Öffentlichkeit übergeben worden. Die Beseitigung der Schäden werde - so der Staatsminister - schnellstmöglich erfolgen.

„Dieser Anschlag ist schrecklich!“

Rudolf Brazda, Überlebender des KZ Buchenwald,
ist entsetzt über Anschlag auf Homosexuellen-Denkmal


„Dieser Anschlag ist schrecklich, ekelhaft ist das! So etwas heute, nach all dem Leid und Grauen, das wir erleben mussten. Hundsgemein ist das! Doch ich muss sagen, ich hatte so etwas befürchtet. Die Menschen lernen offenbar nicht dazu, sie sind leider viel zu dumm dazu. Weil sie es nicht verstehen wollen, dass es so etwas gibt wie Homosexualität. Weil sie es nicht akzeptieren wollen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie.“

Rudolf Brazda war im „Dritten Reich“ aufgrund seiner Homosexualität zwei Mal verhaftet und nach dem NS-Paragraphen 175 verurteilt worden. Nachdem er die zweite Haftstrafe abgesessen hatte, wurde er 1942 ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort musste er den Rosa Winkel tragen, das Zeichen für homosexuelle Häftlinge. Brazda hatte das Glück, den täglichen Terror bis zur Befreiung von Buchenwald im April 1945 zu überleben.

Am 27. Juni 2008 hatte Rudolf Brazda gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen besichtigt. Am folgenden Tag hatte Brazda die Demonstration zum Berliner Christopher Street Day eröffnet.

Dienstag, 16. Dezember 2008 

Beschämender Anschlag auf Denkmal
LSVD entsetzt über Demolierung des Homosexuellen-Denkmals

Zum neuerlichen Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen erklärt Alexander Zinn, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V.:

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. verurteilt den beschämenden Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen aufs Schärfste. Die widerwärtige Tat ist ein Schlag ins Gesicht aller Verfolgter des NS-Regimes. Der LSVD Berlin-Brandenburg ruft für den kommenden Freitag (19. Dezember 2008) um 12.30 Uhr zu einer Mahnwache am Denkmal auf, um gegen die verbreitete Homophobie zu protestieren. Ort: Ebertstraße, Höhe Hannah-Arendt-Straße, Berlin-Tiergarten.

Der Anschlag führt aufs neue vor Augen, dass Homophobie ein virulentes Problem dieser Gesellschaft ist. In letzter Zeit häufen sich auch gewalttätige Übergriffe auf schwule Männer und lesbische Frauen. Die Politik muss nun endlich handeln! Wir fordern vom Berliner Senat und von der Bundesregierung einen koordinierten Aktionsplan gegen Homophobie.

Vergangene Nacht war das Sichtfenster des Denkmals, durch das man den Film zwei sich küssender Männer sehen kann, erneut eingeschlagen worden. Erst am 16. August 2008 war das Denkmal demoliert worden. Unbekannte schlugen auch damals das Sichtfenster ein. Das erst Ende Mai eingeweihte Denkmal erinnert an die etwa 100.000 von den Nationalsozialisten verfolgten schwulen Männer, von denen 50.000 nach Paragraph 175 verurteilt und zwischen 5.000 und 15.000 in Konzentrationslager deportiert, gefoltert und ermordet wurden.
 
Politiker und der Lesben- und Schwulenverband verurteilten die Tat aufs Schärfste. "Der erneute Anschlag zeigt, wie präsent Homophobie in Deutschland noch ist. Es darf in Deutschland keine Toleranz für Gewalt und Hass gegen Minderheiten geben", erklärte der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. "Dass zwei küssende Männer - wie im Mahnmal gezeigt - Wut und Gewalt hervorrufen, macht fassungslos und mahnt uns alle zu mehr Aktionen und Aufklärung gegen Homophobie."
 
Der LSVD Berlin-Brandenburg erklärte, der Anschlag beweise, dass Feindseligkeiten gegenüber Schwulen und Lesben ein "virulentes Problem dieser Gesellschaft" seien.
 
 
„Dieser Anschlag ist schrecklich traurig!“

Rudolf Brazda, Überlebender des KZ Buchenwald,ist entsetzt über Anschlag auf Homosexuellen-Denkmal

Der homosexuelle Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald Rudolf Brazda ist entsetzt über den neuerlichen Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. In einem Telefonat mit Alexander Zinn, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V., äußerte er sich heute folgendermaßen:

Rudolf Brazda zum Anschlag auf das Homosexuellen-Denkmal:

„Das ist traurig, schrecklich traurig. Einige sind wohl unbelehrbar. Sie werden es offenbar nie akzeptieren, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie. Erst das Attentat auf den Polizisten in Passau, nun erneut ein Anschlag auf das Homosexuellen-Denkmal. Und das nach der Nazi-Hölle, durch die wir alle gegangen sind. Sauhunde sind das! Aber das Nazi-Pack ist offenbar nicht totzukriegen. Das sind Verbrecher, das bleiben Verbrecher.“

Rudolf Brazda war im „Dritten Reich“ aufgrund seiner Homosexualität zwei Mal verhaftet und nach dem NS-Paragraphen 175 verurteilt worden. Nachdem er die zweite Haftstrafe abgesessen hatte, wurde er 1942 ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort musste er den Rosa Winkel tragen, das Zeichen für homosexuelle Häftlinge. Brazda hatte das Glück, den täglichen Terror bis zur Befreiung von Buchenwald im April 1945 zu überleben.

Am 27. Juni 2008 hatte Rudolf Brazda gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit das Denkmal für die im National¬sozialismus verfolgten Homosexuellen besichtigt. Am folgenden Tag hatte Brazda die Demonstration zum Berliner Christopher Street Day eröffnet.

Klaus Wowereit nimmt an Protestkundgebung am Freitag teil

An der Protestkundgebung am kommenden Freitag (19. Dezember 2008) um 12.30 Uhr wird auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit teilnehmen. Ort: Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Ebertstraße, Höhe Hannah-Arendt-Straße, Berlin-Tiergarten.

 
 
Bundespräsident verurteilt Anschlag auf Homosexuellen-Denkmal
Regierender Bürgermeister bei Mahnwache am Denkmal

Bundespräsident Horst Köhler hat den Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen aufs schärfste verurteilt. In einem Schreiben an den Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. begrüßte er die heutige Protestkundgebung am Denkmal. Der Bundespräsident erklärte, dass es wichtig sei, „denen entgegenzutreten, die aus niederen Beweggründen Taten wie diese begehen“.

An der Mahnwache, die heute Mittag am Denkmal stattfand, nahmen etwa 50 Personen teil, darunter auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hielt eine Ansprache, in der er deutlich machte, dass derartige Anschläge nicht hingenommen werden. Die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, Petra Rosenberg, erinnerte an die homosexuellen NS-Opfer und mahnte, dass das NS-Unrecht niemals in Vergessenheit geraten dürfe. Auch die Bundestagsabgeordneten Michael Kauch (FDP), Volker Beck (Grüne) und Barbara Höll (Die Linke) hielten kurze Ansprachen.

Der Brief des Bundespräsidialamtes an den LSVD Berlin-Brandenburg:

„Der Bundespräsident hat die Nachricht über den Anschlag auf das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Er wird sich über die Ermittlungen und deren Ergebnis berichten lassen. Eine Teilnahme an der für heute geplanten Kundgebung ist ihm aus Termingründen leider nicht möglich.

Der Bundespräsident verurteilt Anschläge wie diesen auf das schärfste. Er würdigt das Engagement derer, die die Erinnerung an die Opfer der NS-Gewalt-herrschaft wach halten. Dazu gehört auch, denen entgegenzutreten, die aus niederen Beweggründen Taten wie diese begehen. Darum ist auch die von Ihnen geplante Protestkundgebung wichtig. Der Bundespräsident wünscht ihr die verdiente große öffentliche Aufmerksamkeit und bittet Sie, allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern seine Grüße zu übermitteln.“
   
 
 
www.homo-denkmal.de
 
 
 
 
Sonntag, 05.04.2009
 
Der Verbandstag des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) verurteilt den erneuten Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen auf das Schärfste. In der Nacht zum 5. April wurde das Denkmal in Berlin-Mitte zum dritten Mal innerhalb von neun Monaten angegriffen. Die Sichtscheibe in der Betonstele, die den Blick auf einen Videofilm mit zwei sich küssenden Männern eröffnet, wurde zerkratzt und massiv beschädigt.

Jede Schändung eines Gedenkortes für Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, gefoltert und ermordet wurden, ist eine zutiefst abscheuliche Tat. 

Die wiederholten Anschläge auf das Denkmal zeigen: Homosexuellenfeindlichkeit ist nach wie vor stark verbreitet. Allein der Anblick eines Kusses zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts kann massive Gewalt hervorrufen. Das ist bis heute auch bittere Alltagserfahrung vieler Schwuler und Lesben. Viele haben bereits antihomosexuelle Gewalt erleben müssen. Wir brauchen daher dringend einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie. Das Land Berlin geht auf diesem Feld vorbildlich voran. Es wird höchste Zeit, dass auch die Bundesregierung, insbesondere der Bundesinnenminister hier endlich tätig wird und vor homophober Gewalt nicht mehr die Augen verschließt. 

Das Homosexuellen-Denkmal soll die Verfolgten und Ermordeten ehren wie auch die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wachhalten. Gleichzeitig soll es auch für heute ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Feindseligkeit gegenüber Schwulen und Lesben setzen. Die immer wieder kehrenden Anschläge machen deutlich, wie notwendig das Denkmal auch für die heutige Zeit ist
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